Viele glauben, Zielsetzung bestehe darin, einfach möglichst ehrgeizige Ziele zu formulieren und sie dann mit aller Kraft zu verfolgen. Gerade in deutschen Unternehmen ist diese Idee noch verbreitet, fast als wäre Zielsetzung ein Akt reiner Willenskraft. Aber irgendwann merkt man—und ich habe das oft erlebt—dass die Realität sich nicht an unsere Vorstellung von linearem Fortschritt hält. Ziele, die zu starr sind, stehen am Ende oft im Weg. Und was kaum jemand zugibt: Manchmal blockiert uns die Art, wie wir über Ziele sprechen, mehr als dass sie uns hilft. Was wir vermitteln, ist ein ganz anderes Verständnis davon, was Ziele im beruflichen Kontext wirklich sind. Ziele sind keine Checklistenpunkte, die man abhakt. Sie sind auch keine Träume, die man aus dem Bauch heraus niederschreibt. Vielmehr begreifen unsere Teilnehmer, dass echte Zielsetzung immer ein Dialog ist—zwischen dem, was das Unternehmen braucht, und dem, was man selbst wirklich beeinflussen kann. Es geht nicht um die perfekte Formulierung, sondern um die Fähigkeit, das Wesentliche zu erkennen, Widersprüche auszuhalten, Prioritäten immer wieder neu zu justieren. Und da ist es spannend zu sehen, wie sich der Blick auf Ziele verändert: Plötzlich geht es weniger um Kontrolle als um Orientierung und bewusste Reaktion auf das, was sich im Alltag ständig verschiebt. Das fühlt sich anfangs ungewohnt an. Aber genau da liegt das, was in der Industrie wirklich gefragt ist. Was mich immer wieder erstaunt: Wie viele Führungskräfte jahrelang Ziele festlegen, ohne je zu hinterfragen, warum bestimmte Muster sich wiederholen.
Woche eins beginnt meistens mit dem, was man fast schon als ein kleines Erwachen bezeichnen könnte. Die Teilnehmer sollen über ihre eigentlichen Ziele nachdenken – nicht einfach nur aufschreiben, was sie wollen, sondern sich wirklich fragen, warum. Manche sitzen da, starren minutenlang auf das leere Blatt, bevor sie den ersten Satz schreiben. Es riecht nach Kaffee, jemand kritzelt kleine Sternchen in die Ecke des Notizbuchs. Wenn ich an Woche zwei denke, fällt mir sofort dieses Gespräch ein, das ich mal mit einem Teilnehmer hatte: Er sagte, er schäme sich fast, wie vage seine Ziele beim ersten Durchgang waren. Jetzt, beim zweiten Anlauf, merkt er, wie schwer es ist, ehrlich zu sich selbst zu sein. Da wird einem klar, wie tief solche Prozesse gehen können. In der dritten Woche stoßen viele an eine Mauer. Plötzlich soll man die großen, wolkigen Ziele in konkrete Etappen zerlegen. Und das ist nicht sexy. Es fühlt sich eher an wie Hausaufgaben, die man nicht machen will – aber ohne diesen Schritt bleibt alles nur Theorie. Dann sitzt jemand mit zusammengekniffenen Augen über einer Tabelle mit Deadlines, und im Hintergrund läuft irgendwo leise Musik. Woche vier bringt dann die ersten Rückschläge. Jemand erzählt, wie er sein Wochenziel komplett verfehlt hat, weil alles anders kam als geplant. Da wird’s still im Raum. Aber genau an solchen Tagen merkt man, wie unterschiedlich die Lerngeschwindigkeiten sind. Und dass Frustration manchmal dazugehört – sogar wichtig ist, wenn man sich weiterentwickeln will. Einmal in Woche fünf fing eine Teilnehmerin an, ihre Fortschritte mit bunten Post-its an die Wand zu kleben. Keine Regel, einfach ihr Ding. Die anderen schauten neugierig – am Ende der Woche hing da ein ganzes Mosaik aus kleinen Zetteln, auf denen stand: „Kaffee trinken“, „E-Mails abschließen“ und „Joggen gehen“. Manche lachten, andere fingen still an, es nachzumachen. Gegen Ende, sagen wir Woche sechs oder sieben, ist die Atmosphäre irgendwie dichter. Es wird weniger geredet, mehr gearbeitet. Zwischendurch taucht jemand mit einer ganz eigenen Methode auf – vielleicht ein selbstgebautes Kanban-Board aus Pappe. Ob das hilft? Wer weiß. Aber es ist ein Zeichen dafür, dass die Teilnehmer anfangen, das Gelernte auf ihre eigene Art zu verarbeiten. Und dann gibt es noch die Momente, in denen plötzlich jemand merkt, dass ein Ziel gar nicht mehr wichtig ist. Das sind kleine, fast unscheinbare Augenblicke – ein kurzes Schulterzucken, ein Durchstreichen im Notizbuch. Keine große Sache. Aber genau darin steckt oft die wichtigste Erkenntnis.